Lauf Blog - 02.02.2012
Lieber Martin,
was heißt, die Küchenuhr spricht nicht? Sie fordert nicht, lobt nicht? Meine Küchenuhr tut das! Aber dazu später mehr.
Zunächst möchte ich widersprechen: Nein, meine 9 Kilometer sind nie langweilig. Erst letzte Woche war es. Ich lief die 9er Schleife, da standen sie plötzlich, die Hobbywaldarbeiter. Ihr Anhänger war im Matsch stecken geblieben. Gut, manche machen alle 100 Meter Striche in den Matsch und schauen dauernd auf die Uhr – doch am Ende läuft es auf das Gleiche hinaus. Denn als ich um die Ecke bog und sie mich sahen, lachten sie laut los. „Baumann, sie schon wieder.“ Ich fiel in ihr Lachen mit ein, so dass ich gar nicht mehr weiterlaufen konnte. Stell Dir vor, genau vor einem Jahr war ihr Anhänger an gleicher Stelle im Schnee gesteckt und ich hatte geholfen, das Ding wieder flott zu kriegen. ( ja jeden Tag eine gute Tat) Und so war es Ehrensache, dass ich mich auch in diesem Jahr in den Matsch stellte, um die zwei Herren aus misslicher Lage zu befreien. Was hatten wir unsern Spaß – mehr Spaß, als wenn ich alle paar hundert – ach lassen wir das.
Schau doch meine 9er in dieser Woche an. Montag. Ich machte mir Gedanken wie ich Dir erklären könnte, wie sich Laufen ohne Uhr anfühlt, was genau der Unterschied ausmacht. Da schoss der Gabius an mir vorbei. 3:20iger Tempo. Er schrie: „Komm mit!“ Ich habe natürlich schnell begriffen, dass nur Du dahinter stecken kannst. Nur Du kannst auf eine solche Idee kommen, den Gabius vorbei zu schicken, um mich zu testen. Ob ich mitgehe. 3:20iger Tempo. Aber nichts, 3:20 war gestern. Zeitlos ist heute. Ich war so stolz auf mich, dass ich die restlichen 7 Kilometer gar nicht mitbekommen habe.
Ohnehin, das ist das Schönste. Die 9er Schleife zu laufen, ohne zu merken, dass es die 9er Schleife ist. Mal bleibt ein roter Abendhimmel, mal eine Kuh die sich in der Nacht erschrocken aufrichtet und ich denke, es ist ein Elefant. Ein Elefant auf dem Spitzberg! Dann ist es ein Wind, das knacken der Bäume oder wie heute die Kälte. Momentaufnahmen, mehr nicht. Zwischenzeiten vermisse ich nicht und Linien im Matsch sind nur da, wo meine Hobbywaldarbeiter stecken geblieben sind.
Nun zur Uhr. Muss allerdings dazu sagen, dass meine Küchenuhr ein Hochzeitgeschenk. Von der Familie Maier, ja Willi Maier. 3000 Meter Hindernis – damals, als man die Zeit beim Dauerlauf noch nicht gestoppt hatte. Als man nach Gefühl lief. Die Uhr ist aus Kalkstein, von der Schwäbischen Alb. Will damit nur sagen, dass mich meine Uhr streichelt, allein wegen dem Stein. Sorry, aber so bin ich halt: von dr Alb ra. Und sie spricht mit mir, die Uhr. Ich habe sie nämlich fünf Minuten vorgestellt. Sie ist also vor meiner Zeit und das ist gut so. Oft stehe ich vom Tisch auf und denke: oh Mann, wieder so spät. Da zwinkert mir meine Küchenuhr zu: „lass dir Zeit, mein Freund.“ Will damit nur sagen: mir geht es gut.
Gruß, Dieter
P.S. Bin gestern gleich zweimal die 9er Runde gelaufen – hintereinander – also 18 km. Keine Kuh, keine Waldarbeiter, kein….ich weiß es nicht mehr.

Kommentare